#18 Hält Liebe Dich wach?

Vor einiger Zeit sprachen wir mit einer Frau, die sehr gestresst war. Egal wieviel Sport sie machte (Marathonläuferin), oder wie oft sie meditierte (zweistündige Dispenza Meditationen), sie war immer noch unter Spannung und hatte vor allem das Problem, dass sie schlecht einschlief oder nachts grundlos wach wurde.

Dafür gab es im Außen keinen Grund. Ihr Mann verdiente gut. Sie arbeitete als Lehrerin, was im Lockdown zwar stressiger war, da ihre Kinder den ganzen Tag zuhause waren, aber die Großeltern wohnten ein paar Straßen weiter und kümmerten sich gern um die Kinder.

Uns fiel auf, dass die immer mehr gab, als verlangt wurde. Beim Kaffeetrinken mit Freundinnen brachte sie extra Kuchen mit, sie
übernahm Extraaufgaben in der Schule, hörte immer aufmerksam zu und stellte selbst möglichst wenig Forderungen. Interessanterweise haben sich sehr viele Ihrer Freude, Kollegen etc. von ihr abgewendet, was sie überhaupt nicht verstand, also gab sie immer mehr. Einige von Euch kennen bestimmt diese Form der Aufopferung. Dafür gibt es ebenso viele Gründe wie Absichten. Hier nun ein interessanter Aspekt:

Sie wollte sich damit erkaufen, geliebt zu werden. Nun das ist bekannt. Aufopferung gegen Liebe. Nur wenn sie sich die Liebe erkauft hatte, warum verlor sie diese immer wieder, indem Menschen sich abwendeten? Diese Schlussfolgerung lässt sich aus ihren Erfahrungen ziehen. Also fragten wir sie, was ihre früheren Erfahrungen waren.

Sie fühlte sich als fünftes Kind eher wie das fünfte Rad am Wagen, von ihren Eltern vernachlässigt und hatte immer das Gefühl nicht geliebt worden zu sein. Tatsächlich war es sogar eine Überlegung, dass sie zur Adoption frei gegeben werden sollte, was sie als junge Erwachsene erfahren hatte.

Damit hatte sie bzw. ihr Verstand ein essenzielles Überlebensmuster: Ich überlebe nur, wenn ich mich nicht geliebt fühle oder nicht geliebt werde. Das Fatale daran ist, dass sie sich sicher fühlte, wenn sie nicht geliebt wurde oder sich nicht geliebt fühlte. Jeder Mensch sehnt sich danach, sich geliebt zu fühlen und geliebt zu werden. Also investiert sie über ihre Grenzen hinaus, um sich geliebt zu fühlen.

Wenn sie jedoch geliebt wird, fühlt sie sich wiederum in ihrem Überleben bedroht und wird unsicher. Also verhält sie sich so, dass sie wieder abgelehnt wird, um sich wieder sicher zu fühlen. Dann opfert sie sich wieder auf für neue Liebe, fühlt sich aber wieder unsicher – und so weiter und so weiter.

Wir sagten ihr, dass sie sich wie ein permanent von rechts nach links laufender Tiger im Käfig fühlen muss, keine Seite ist richtig und gerade aus geht’s auch nicht. Kein Wunder, dass sie immer unter Strom war und nicht schlafen konnte.

– Was sind die contextuelle Unterscheidungen, die Du nutzt, um ein Überlebensmuster aufzulösen?

– Wie kannst Du ihre These ungeliebt = sicher und geliebt = unsicher auflösen?

– Auf welchen drei Ebenen ist der Vorwurf abgespeichert?

Kleines Beispiel wie der Vorwurf aufgelöst wurde, dass ihre Eltern sie zur Adoption frei geben wollten:

CC: Wie alt warst Du, als Du erfahren hast, dass Deine Eltern Dich zur Adoption freigeben wollten?

C: Ich war 18. Meine Mutter hat es mit an meinen 18. Geburtstag gesagt.
(Hast Du gedacht, wie schrecklich, wie kann man es am 18 Geburtstag sagen? Wichtig: genau nachfragen!)

CC: Was genau hat sie gesagt?

C: Sie hat mich umarmt und gemeint: ‚Was bin ich froh, dass wir Dich nicht zur Adoption freigegeben haben.

CC: Was hast Du gedacht und gefühlt?

C: Ich habe geweint und mich schrecklich gefühlt? Warum haben meine Eltern mich nicht so geliebt, dass sie mich nicht behalten wollten?

Hier erfolgte ein halbstündiger mit Fragen geführter Dialog, in dem ihr bewusst wurde, dass ihre Eltern sie so sehr geliebt haben, dass sie zwar den Gedanken hatten sie zur Adoption freizugeben, weil sie glaubten ihr nicht genug Liebe geben zu können, es dann aber nicht getan haben, eben weil sie ihre Tochter liebten. Sie weggeben zu wollen war ein Ausdruck

von Liebe und sie dann doch behalten zu wollen ebenfalls.
Zudem wurde ihr bewusst, dass sie zwar weniger Aufmerksamkeit
von den Eltern hatte, die sich um das Geschäft kümmerten, aber umso mehr von den beiden ältesten Schwestern, zu denen sie noch heute einen sehr guten Kontakt hatte.

Nach drei Gesprächen konnte sie das Gefängnis der Liebe verlassen und endlich wieder durchschlafen!

Lust zu erfahren wie ein solches Überlebensmuster nachhaltig contextuell aufgelöst wird? Dann sei in unserer Gruppe Coach the Coach!

Wir wünschen Dir einen liebevollen Tag!

Transformation now!

Die Contextuellen Experten

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