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Generation Instagram – Die Dosis macht das Gift

Erschienen auf: im Gegenteil 

Als Instagram noch ganz neu war, haben viele junge Menschen voller Enthusiasmus geposted, geliked und gefiltert. Wie wunderbar: Eine Plattform, auf der man unmittelbar mit seinen Freunden den Alltag teilen konnte. Die App war leicht zu bedienen und hat vielen jungen Menschen Spaß bereitet. Heute scheint aus diesem Segen ein Fluch geworden zu sein. Immer mehr Studien belegen, dass es Menschen gibt, für die der Umgang mit Instagram und Co. zu Depressionen und Krankheit geführt hat.

Zu hoch der selbstauferlegte Druck, in kurzen Zeitabständen ein immer wieder neues perfektes Bild von sich zu präsentieren. Stets ein genau so perfektes und glückliches Leben zu zeigen, wie es bei allen anderen Instagram-Nutzern auch der Fall zu sein scheint. Viele Menschen, darunter berühmte Persönlichkeiten wie die Sängerin Miley Cyrus oder die Rapperin Cardi B, haben sich dazu entschieden, die App komplett zu löschen, um diesem Stress zu entkommen.

Doch wer die Möglichkeiten, die Instagram zu bieten hat, trotzdem gerne nutzen möchte, für den ist das keine Option. Denn so verhasst die Plattform vielen heute ist, so bietet sie doch immer noch interessante Möglichkeiten. Wie Andy Warhol einmal prophezeite: „In the future everyone will be famous for fifteen minutes.“ (In der Zukunft wird jeder für 15 Minuten berühmt sein.) Diese Zukunft ist jetzt eingetroffen.Instagram bietet einem Normalsterblichen die Möglichkeit, berühmt zu werden und Geld zu verdienen mit egal was. Reisen, Mode, Kochen, Coaching, Fitness oder einfach nur durch Teilen des Alltages. Wofür man früher eine Menge Startkapital brauchte, ist heute nur ein WLAN-fähiges Smartphone notwendig. Doch hier entsteht schon die erste Schwierigkeit. So einfach wie es aussieht, ist es nicht. Wer mal einen Influencer gefragt hat, der weiß, wie viel Arbeit es ist, wirklich erfolgreich mit Instagram zu sein. Nicht nur der zeitliche Aufwand wird unterschätzt, sondern auch der emotionale. Was bedeutet es, immer präsent zu sein, immer online zu sein, sich der Öffentlichkeit preis zu geben und sich dem Risiko eines sog „Shitstorms“ auszusetzen? Diese Umstände werden häufig unterschätzt, da sie auf den Bildern nicht sichtbar sind und auch nicht sichtbar sein sollen. Man könnte nun den sog. „Influencern“ daraus einen Vorwurf machen, doch dieses perfekte Bild scheint auch vom Publikum gewollt zu sein, sonst hätten insbesondere die Top-Influencer nicht so viele Follower.

Anstatt also Instagram oder die Influencer zu verteufeln, wäre es funktionaler, zu lernen, mit dem Medium umzugehen und auch die nächste Generation beim Umgang mit den sozialen Medien zu unterstützen. Denn egal wie sehr wir uns beklagen, Instagram wird wahrscheinlich nicht so schnell wieder verschwinden und weitere ähnliche Medien werden auftauchen. Eine Möglichkeit ist natürlich, sich äußere Umstände zu erschaffen. Wie zum Beispiel, die tägliche Nutzung zeitlich zu begrenzen. Auch dafür gibt es bereits Apps. Doch das löst das Problem nicht dauerhaft. Um das Kernproblem zu lösen, drängt sich als erstes die Frage auf: Was führt überhaupt zu dem hohen Konsum an sozialen Medien und der damit einhergehenden Frustration?

Eine Hauptursache kann ein fehlendes oder schwaches Selbstwertgefühl sein. Wer eine hundertprozentig positive Meinung von sich selbst hat, dem kann auch ein anderes perfektes Instagram-Profil nichts anhaben. Und der braucht auch keine Bilder zu posten, um Bestätigung oder Anerkennung zu erhalten, sondern kann einfach posten worauf er Lust hat. Die erste Unterstützung im Umgang mit den sozialen Medien könnte also darin bestehen, sich selbst ein starkes Selbstwertgefühl zu verschaffen. Dazu gilt es meist als erstes, herauszufinden, wann man angefangen hat, ein negatives Selbstbild zu entwickeln. Niemand kommt bereits mit Selbstzweifeln zur Welt. Was ist also passiert und warum hat man angefangen, sich selbst in Frage zu stellen? Dieses Ereignis oder auch mehrere Ereignisse lassen sich zwar nicht rückgängig machen, wohl aber die negative Schlussfolgerung, die man über sich gezogen hat. Denn egal was einem passiert oder auch nicht passiert ist, nichts trifft eine negative Aussage über einen selbst.

Was zum zweiten Kernproblem führt: Der Glaube, irgendetwas oder -wer im Außen könnte den eigenen Wert steigern oder einen dauerhaft glücklich machen. Wer schon mal etwas erreicht hat, von dem er glaubte, wenn er es hätte, sei er endlich dauerhaft glücklich, weiß, dass dieses Glück meist nur von kurzer Dauer ist. Auch ein perfektes Instagram-Profil mit Millionen Followern wird niemanden dauerhaft glücklich machen. Es geht also auch hier darum, zu lernen, jetzt schon glücklich zu sein, egal wie die Umstände sind. Ein positives Selbstbild ist dabei hilfreich. Natürlich kann kein Mensch vierundzwanzig Stunden am Tag glücklich sein, aber es ist möglich, eine Grundstimmung von Erfüllung zu erzeugen, wenn man Frieden mit seiner Vergangenheit geschlossen hat. Auch das ist möglich.

Ein weiteres Problem bei der Instagram-Nutzung ist häufig die Hoffnung auf leichten und schnellen Erfolg. Obwohl es sogar Instagram-Profile gibt, die die Arbeit, die dahinter steckt, aufzeigen. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, mit Instagram könnte man ganz leicht und ohne viel Aufwand Multimillionär werden. Mir scheint, wir wollen das glauben, damit die Hoffnung nicht stirbt, dass es auch einen leichten Weg zum Erfolg gibt. Doch egal welche erfolgreiche Person man fragt, man wird niemanden finden, bei dem es immer nur leicht war. Selbst Menschen, die in eine finanziell privilegierte Situation geboren wurden, erleben andere nicht minder herausfordernde Situationen. Und sei es nur, zu lernen, aus eigenem Antrieb heraus etwas machen zu wollen und nicht etwa, weil der ökonomische Druck es verlangt. Natürlich gibt es Möglichkeiten, sich den Weg zum Erfolg zu erleichtern, um so schneller ans Ziel zu kommen. Sei es, indem man Experten hinzuzieht oder ein Coaching. Einen nur einfachen Weg zum Erfolg gibt es aber nicht. Doch es gibt Möglichkeiten, die aufzeigen, wie einem Herausforderungen nicht mehr so viel ausmachen oder wie man sie vielleicht gar nicht mehr als solche wahrnimmt. Indem man auf der einen Seite etwas tut, das man wirklich gerne tut und indem man ein Ziel hat, das einem wichtiger ist, als es immer nur leicht zu haben. Die Lösung des Problems könnte also daraus bestehen, herauszufinden, was man eigentlich wirklich gerne tut, und welches Ziel man damit erreichen möchte. Wofür brennt man? Was will man verwirklichen? Welchen Beitrag leisten?

Ein weiteres Problem kann auch der Irrglaube sein, dass nur der ausschließliche Fokus auf das eigene Glück froh mache. Das Thema Selbstliebe ist ein beliebtes Thema unserer heutigen Gesellschaft und wird oft als Schlüssel zum Glück dargestellt. Sich selbst wertzuschätzen und zu lieben ist – wie bereits geschildert – wichtig. Nicht nur, um sich besser zu fühlen und glücklicher zu sein, es kann auch einen positiven Effekt auf Vitalität, Erfolg und Partnerschaft haben. Wie es allerdings bei so vielen Dingen ist, die im Übermaß konsumiert werden, ist auch der ständige Blick auf sich selbst eher schädlich als gesund. Anstatt sich also ausschließlich um den eigenen Bauchnabel zu drehen, gilt es, sich auch wieder für andere zu interessieren. Hashtag „Anderenliebe“ statt Hashtag „Selbstliebe“. Das bedeutet nicht, dass man keine Fotos mehr von sich selbst posten darf, ganz im Gegenteil. Doch die Frage, die man sich stellen kann, lautet: Welchen Gewinn hat ein anderer dadurch, dass er sich Bilder ansieht, die meine Person zeigen? Dadurch kann wieder eine Win-win-Situation für alle entstehen. Sowohl für den Nutzer als auch den Benutzer. So kann Instagram wieder zu dem werden, was es ursprünglich einmal war: Eine Plattform für Verbundenheit mit anderen und gegenseitiger Inspiration.

Checkliste für eine inspirierende Instagram-Nutzung:

  • Haben Sie ein generell positives Selbstwertgefühl?
  • Glauben Sie, irgendetwas oder -wer im Außen könnte Sie dauerhaft glücklich machen?
  • Haben Sie die Hoffnung, ohne jegliche Anstrengung leicht erfolgreich zu werden?
  • Glauben Sie, dass der ausschließliche Fokus auf das eigenen Glück dauerhaft glücklich macht?
  • Für welches Ziel im Leben sind Sie bereit, 100% zu geben?

 

 

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